
Bilderberg-Treffen 2026: Ohne deutsche Politiker und ohne Berichterstattung der Medien

Schweigen im Blätterwald – so ließe sich die Berichterstattung der etablierten deutschen Medien über die Bilderberger-Konferenz 2026, die am Wochenende mit rund 130 Teilnehmern in Washington, D.C., stattfand, wohl am besten beschreiben. Denn es gab keine. Dabei ist das "private" Treffen, bei dem sich Größen des "politischen Westens" aus Wirtschaft, Politik, Medien, Militär und Geheimdiensten seit Jahrzehnten "informell" austauschen, kaum zu überschätzen.

Die offizielle Teilnehmerliste liest sich daher wie ein Who-is-who des militärisch-industriellen Komplexes. Dementsprechend standen Themen wie "Arktische Sicherheit", "Transatlantische Verteidigungs- und Industriebeziehungen" und "Zukunft der Kriegsführung" auf der Agenda. Neben "Klassikern" wie Energie, Handel oder KI lagen die geographischen Schwerpunkte in diesem Jahr auf China, Europa, dem Nahen Osten, Russland, der Ukraine und den USA.
Auffällig ist: Bei der diesjährigen Konferenz war kein deutscher Politiker anwesend und somit auch kein Vertreter der Bundesregierung. Am Bilderberg-Treffen 2025 hatten dagegen noch Finanzminister Lars Klingbeil und Wirtschaftsministerin Katherina Reiche teilgenommen. Auch Bundestagspräsidentin Julia Klöckner war letztes Jahr dabei. Als CDU-Chef hatte Friedrich Merz 2024 an der Konferenz teilgenommen; 2023 waren Anton Hofreiter (Die Grünen) und Norbert Röttgen (CDU) zugegen.
Teilnehmer mit militärischem Background
Neben Dauergast Mathias Döpfner, der den Springer-Konzern leitet, nahmen aus Deutschland dieses Jahr nur Vertreter der Wirtschaft an der Konferenz teil – mit Ausnahme von General Markus Laubenthal, Stabschef des Obersten Hauptquartiers der Alliierten Streitkräfte in Europa (SHAPE), der in der offiziellen Teilnehmerliste jedoch als "internationaler" Gast aufgeführt wird.
Zu Gast in Washington aus Deutschland waren die Vorstandschefs Christian Sewing (Deutsche Bank), Oliver Zipse (BMW), Roland Busch (Siemens), Karl-Theodor zu Guttenberg (Spitzberg Partners) sowie Jeannette zu Fürstenberg von der Investmentfirma General Catalyst.
Außerdem beim elitären Stelldichein vertreten: Uwe Horstmann vom Rüstungsunternehmen STARK, das sich selbst als "eines der am schnellsten wachsenden Defence-Tech-Unternehmen in Europa" bezeichnet. Und wie bereits letztes Jahr war auch Gundbert Scherf zugegen, Mitbegründer des Startups Helsing, dessen Drohnen bereits im Krieg gegen Russland zum Einsatz kommen. Ein Mitarbeiter von Helsing brüstete sich im vergangenen Jahr mit der vermeintlichen Kosteneffizienz der eigenen Drohnen, wobei man "bei 240 Dollar pro getötetem Russen angelangt" sei.
Über die "Zukunft der Kriegsführung" konnten sich die deutschen Rüstungsvertreter in Washington beispielsweise mit NATO-Generalsekretär Mark Rutte oder Alex Karp austauschen. Karp ist Chef von Palantir Technologies, das sich auf die Analyse großer Datenmengen mithilfe von KI spezialisiert hat. Palantirs Software soll beim Krieg der USA gegen Iran eine bedeutende Rolle gespielt haben. Donald Trump jedenfalls lobte das Softwareunternehmen überschwänglich. Es habe "hervorragende Fähigkeiten und Ausrüstung für die Kriegsführung bewiesen. Fragen Sie nur unsere Feinde", schrieb der US-Präsident vor Tagen auf Truth Social.
Verschwiegenheit und Verschwörungstheorien: Der mediale Totalausfall
Die jährlich ausgerichtete Bilderberg-Konferenz wurde 1954 von Prinz Bernhard der Niederlande ins Leben gerufen und ist benannt nach dem ersten Austragungsort, dem Hotel de Bilderberg in Oosterbeek. Trotz der hochrangigen Teilnehmer erfuhr die Öffentlichkeit erst nach Jahrzehnten von der Existenz des Treffens.
Inzwischen werden immerhin die Teilnehmer und Themen der Konferenzen kurz vor deren Stattfinden bekanntgegeben. Was jedoch konkret auf den Treffen vereinbart wird, bleibt weiterhin geheim; die Teilnehmer sind zur Verschwiegenheit verpflichtet. "Dies soll sicherstellen, dass sich alle Teilnehmer in einer vertrauensvollen Atmosphäre frei äußern können", heißt es dazu auf der offiziellen Bilderberg-Webseite.
Was Themen und Teilnehmer betrifft, so sind die Bilderberg-Konferenzen am ehesten vergleichbar mit dem Weltwirtschaftsforum in Davos. "Wenn sich die Weltelite jedes Jahr in dem kleinen Ort in der Schweiz trifft, berichten Medien hoch und runter. Der Grund ist denkbar einfach: Die hochrangigen Funktionsträger, die in Davos zusammenkommen, verfügen über sehr viel Macht. Ihre Worte, ihre Gedanken haben Gewicht. Was sie sagen, ist von öffentlicher Relevanz. [...] Ganz anders verhält es sich in Sachen Bilderberg-Konferenz", gibt Marcus Klöckner auf den NachDenkSeiten angesichts des Schweigens deutscher Medien über das diesjährige Bilderberg-Treffen zu Bedenken.
Weiter schreibt Klöckner: "Zwischen Davos und Bilderberg gibt es gewiss einen Unterschied. Davos ist öffentlich. Bilderberg nicht. Damit rechtfertigt die Presse ihre Nichtberichterstattung." Das sei "an Lächerlichkeit kaum zu überbieten". "Was Ministerpräsidenten, Verteidigungsminister, Generäle, Geheimdienstvertreter und die Chefs gigantisch großer Konzerne auf der Bilderberg-Konferenz sagen, interessiert Medien plötzlich doch nicht", kritisiert Klöckner.
Dass die mit den Bilderberg-Konferenzen einhergehende Verschwiegenheit und mediale Nichtbeachtung zahlreiche Verschwörungstheorien haben sprießen lassen, ist kaum verwunderlich. Ebenso wenig verwundert es, dass die Bilderberg-Veranstalter die von "diversen Verschwörungstheoretikern" aufgestellten "wilden Behauptungen über den Zweck dieser Treffen" auf ihrer Webseite zurückweisen. "Obwohl diese Behauptungen jeglicher Grundlage entbehren, bedauern wir, dass viele von ihnen online und in sozialen Medien weiterhin florieren", heißt es dort.
Immerhin müssen sich die Bilderberger über die klassischen Medien nicht den Kopf zerbrechen, denn die sitzen ja traditionell mit im Boot, wie auf Wikipedia nachzulesen ist. Demnach sitzt im Lenkungsausschuss (Steering Committee) der Bilderberger seit den 1960er Jahren stets ein Vertreter der Wochenzeitung Die Zeit. Aber erst 1988 berichtete Die Zeit erstmals über die Konferenz, wobei allerdings die Tatsache im Vordergrund stand, dass sich nicht geladene Gäste Zutritt zu der Tagung verschafft und dort Flugblätter verteilt hatten. In den Jahren danach herrschte bei der Zeit wieder Funkstille.
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